Gedächtnismarsch Dominik Brunnerunter diesem motto haben sich am freitag abend mehrere hundert lokalisten und nicht-lokalisten in münchen getroffen, um ein deutliches zeichen pro zivilcourage und gegen gleichgültigkeit zu setzen. organisiert und umgesetzt wurde die aktion von jungen menschen, die sich bei uns auf lokalisten.de gefunden haben.

wir sind mit kerzen und blumen vom Sendlinger Tor durch die innenstadt zur abschlusskundgebung an den Wittelsbacher Platz gezogen, um an den mut des erschlagenen geschäftsmanns Dominik Brunner zu erinnern. für alle von euch, die nicht dabei sein konnten, gibt es hier die bewegende rede von kerstin, einer der organisatorinnen der gedenkveranstaltung, in voller länge – weil in diesem speziellen fall worte schöner sind als 1000 bilder:


“Wir sind nicht aus Prinzip hier, sondern aus Überzeugung. Aus der Überzeugung heraus, dass es unverzichtbar ist, denen einen Rückhalt bieten zu wollen, die unsere Hilfe benötigen. Nach dem kürzlich stattgefundenen Ereignis wurden aus allen Schichten der Bevölkerungen als Ausdruck ihrer Fassungslosigkeit Forderungen an die Regierenden laut. Doch der Grund, warum wir heute hier sind ist zunächst kein aus politischer Motivation entstandener Grund. Letztlich ist uns allen bewusst, das die Verankerung von jener Beherztheit, die Herr Brunner uns demonstriert hat einen langwierigen Prozess darstellt, dem mit dem Ersuchen nach Schnellschusslösungen noch nicht abgeholfen ist, sondern der in kleinen Schritten angegangen werden muss. Viele Schritte haben uns symbolisch auf diesen Platz geführt und so stehen wir heute, jeder einzeln und doch als idealistische Gruppierung, als MENSCHEN für Zivilcourage ein. So ein Gedanke allein kann freilich noch nichts sichtbares Bewirken. Er kann lediglich der Impuls sein, welcher einen ersten Stein ins Rollen bringt.

Der heutige Abend ist aus dem Zusammenlaufen der Gedanken jedes Einzelnen hier und derer der Vielen, die heute Abend als Zeichen der Verbundenheit mit uns Kerzen in die Fenster ihrer Arbeitsstätten oder ihrer Wohnungen in sämtlichen Teilen Deutschlands gestellt haben, um uns damit ihre Unterstützung zuzusichern, entstanden. Wir versuchen heute jedoch nicht nur sichtbar, sondern auch fühlbar zu machen. Die zahlreichen Gedankengänge die bis vor ein paar Stunden nur in der irrealen Welt des Internets diskutiert werden konnten schwirren nun auf diesem Platz durch die Luft und machen deutlich:


Es ist unumgänglich das Solidaritätsgefühl im Bewusstsein der Gesellschaft wieder lebendig werden zu lassen und das bedeutet, dass jeder Einzelne sich ihm verpflichtet fühlen soll. Mit dem heutigen Zusammenkommen vor Ort oder in Gedanken gibt jeder das Versprechen, diese Verpflichtung ernst nehmen zu wollen.


So dahin gesagt klingt das nach einer widerspruchlosen These, umso mehr mag es verwundern, dass diese schon in der Vergangenheit oft geäußerte Anweisung nach gegenseitigem Beistand immer wieder an der Umsetzung scheitert.
Es mangelt uns an Mut, wir erliegen der Angst, nach dem Aufstehen der einzige Stehende zu sein, wir haben Angst, der Herausforderung, die eine benötigte Hilfeleistung darstellt, alleine nicht gewachen zu sein, fühlen uns zu schwach, zu klein, zu jung, zu alt. Und wir haben noch mehr Angst davor, beim Versuch auch tatsächlich alleine zu bleiben.


An dieser Stelle würde ich gerne einen Ausspruch von Ghandi zitieren, welcher in diesem Zusammenhang sehr treffend sein kann: „ Kraft kommt nicht aus körperlichen Fähigkeiten, sie entspringt einem unbeugsamen Willen.“
Wenn es unser unbeugsamer Wille ist, einem anderen Menschen im Notfall zur Seite stehen zu können, werden wir eine Möglichkeit dazu finden.


Vor euch, hinter euch, rechts und links von euch stehen Menschen welche diesen Willen aufbringen möchten, der im Alltäglichen, bei dem 17Jährigen beginnt, der eine blinde Frau am Truderinger Bahnhof zum Einstieg in die S-Bahn führt und der bei einem 50Jährigen Mann, der sich in Solln schützend vor vier Kinder stellt einen seiner Höhepunkte erreicht.


Zivilcourage heißt aber auch, nicht erst nach dem ersten Schlag einzuschreiten, sondern dass sie bereits stattfinden muss, bevor zum Schlag ausgeholt wird.


Nur im Nachhinein zu fordern bringt uns nicht weiter, es ist eine permanente Aufgabe auf dieses Thema aufmerksam machen, nicht damit aufzuhören, sich gegenseitig, sich gemeinsam Mut zu machen, zu einer starken Gesellschaft zusammenzuwachsen.


Wir wollen unseren Beitrag leisten, unsere Stadt, unser Land, unsere Welt zu einem Ort zu machen, an dem wir uns frei und ohne Angst bewegen können und dazu wollen wir heute jeden Einzelnen aufrufen, letztlich natürlich auch die Politiker unseres Landes.


Damit irgendwann jeder bereit dazu ist, im Rahmen all seiner Möglichkeiten zu handeln.


Gemeinsam Zivilcourage zeigen, gemeinsam Mut machen!“

[bildquelle und -rechte: http://www.br-online.de]

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